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Medizintechnik: Qualifizierung

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Qualifizierung in der betrieblichen Medizintechnik

Qualifizierung in der betrieblichen Medizintechnik

Die betriebliche Medizintechnik spielt eine zentrale Rolle im Gesundheitswesen. Ob in Krankenhäusern, Arztpraxen oder bei Herstellern von Medizinprodukten – gut ausgebildete Fachkräfte sorgen für einen sicheren und effizienten Betrieb technischer Geräte. Die Qualifizierung in der betrieblichen Medizintechnik in Deutschland ist vielschichtig und bietet unterschiedliche Einstiegs- und Aufstiegsmöglichkeiten – angefangen bei der dualen Berufsausbildung bis hin zum Masterstudium und spezialisierten Zertifikatslehrgängen. Jedes Qualifizierungsniveau bringt eigene Vorteile und Berechtigungen mit sich. Für Unternehmen ist es essenziell, qualifiziertes Personal zu beschäftigen, um die gesetzlichen Anforderungen einzuhalten, die Patientensicherheit zu gewährleisten und haftungsrechtliche Risiken zu minimieren. Mitarbeitende profitieren von erweiterten Kompetenzen, besseren Karrierechancen und höherer Verantwortung.

Angesichts der stetigen Weiterentwicklung der medizintechnischen Geräte und der dazugehörigen Regularien ist lebenslanges Lernen in dieser Branche unverzichtbar. Die sorgfältige Auswahl und Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen zahlt sich für alle Beteiligten aus – für Unternehmen ebenso wie für die einzelnen Fachkräfte.

Überblick über Qualifizierungswege in der Medizintechnik

Ausbildungsweg

Beschreibung

Inhalte

Berechtigungen

Aufwand

Wert für Unternehmen/Mitarbeitende

Elektroniker/-in für Geräte und Systeme (ggf. mit Schwerpunkt Medizintechnik)

Duale Berufsausbildung (Betrieb + Berufsschule), Dauer in der Regel 3,5 Jahre.

Grundlagen der Elektronik, Elektrotechnik, Systemtechnik; häufig Vertiefung in der Fertigung und Instandhaltung von medizintechnischen Geräten.

Befähigung, medizinische Geräte zu montieren, zu warten und zu reparieren (unter Beachtung gesetzlicher Vorschriften).

Klassische Lehrlingsausbildung, Betrieb zahlt Ausbildungsvergütung, Lern- und Prüfungsaufwand je nach Ausbildungsplan.

Unternehmen erhalten fundiert ausgebildete Fachkräfte, die die relevanten Normen und Standards (z. B. DIN EN 60601) für medizinische Geräte kennenlernen. Für die Auszubildenden ist dies eine solide Basis für eine langfristige Karriere in der Medizintechnik.

Mechatroniker/-in (mit Schwerpunkt Medizintechnik)

Duale Berufsausbildung, Dauer 3,5 Jahre.

Kombination von Elektrotechnik, Mechanik, Steuerungs- und Regelungstechnik; Spezialisierte Kenntnisse für den Einsatz in medizintechnischen Anlagen können im Betrieb vermittelt werden.

Wartung, Instandhaltung und Installation von mechatronischen Systemen, auch im medizinischen Bereich.

Ähnlich dem oben genannten Ausbildungsweg, duale Struktur mit Betrieb und Berufsschule.

Breite Einsetzbarkeit in der betrieblichen Medizintechnik, Verständnis für komplexe Systeme.

Staatlich geprüfter Techniker (Fachrichtung Medizintechnik)

Ausbildungsweg

Beschreibung

Inhalte

Berechtigungen

Aufwand

Wert für Unternehmen/Mitarbeitende

Staatlich geprüfter Techniker (Fachrichtung Medizintechnik)

Aufstiegsfortbildung, z. B. an Fachschulen für Technik. Voraussetzung ist in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung und/oder entsprechende Berufserfahrung. Die Dauer beträgt meist 2 Jahre Vollzeit oder 3–4 Jahre Teilzeit.

Vertiefende Inhalte in Elektrotechnik, Elektronik, Messtechnik, Sicherheitstechnik, Geräte- und Anlagentechnik, medizinische Grundlagen, Qualitätssicherung, gesetzliche Vorschriften (z. B. Medizinproduktegesetz, MDR, MPDG).

„Staatlich geprüfte Techniker/innen“ dürfen u. a. im Bereich der Medizintechnik Anlagen planen, leiten und verantworten. Häufig nehmen sie leitende Positionen in Instandhaltung, Service oder Produktion ein.

Je nach Schulform (Vollzeit/Teilzeit) relativ hoch. Neben den Lehrgangskosten (falls nicht staatlich gefördert oder privat finanziert) auch ein intensiver Lernaufwand.

Höhere Qualifikation als im reinen Ausbildungsberuf, oft mit mehr Verantwortung, Projektleitungskompetenz und Leitungserfahrung. Das Unternehmen profitiert von Fach- und Führungskompetenzen, der/die Mitarbeitende von einem erweiterten Aufgabenfeld und besseren Karriereaussichten.

Hochschulstudium (Bachelor/Master) im Bereich Medizintechnik

Ausbildungsweg

Beschreibung

Inhalte

Berechtigungen

Aufwand

Wert für Unternehmen/Mitarbeitende

Hochschulstudium (Bachelor/Master) im Bereich Medizintechnik

Akademische Ausbildung an Hochschulen, Fachhochschulen oder Universitäten. Bachelorstudium in der Regel 6–7 Semester, Masterstudium zusätzliche 3–4 Semester.

Grundlagen in Mathematik, Physik, Elektrotechnik, Informatik, ergänzt durch medizinisches Basiswissen (Anatomie, Physiologie), spezielle Messtechnik, Geräteentwicklung, Qualitätsmanagement, Regularien (z. B. MDR/IVDR).

Hochschulabsolventinnen und -absolventen können als Entwicklungsingenieur/-in, Projektleiter/-in, Qualitätsmanager/-in oder Produktmanager/-in arbeiten. Oft übernehmen sie verantwortliche Aufgaben in Forschung und Entwicklung oder in der Zulassung von Medizinprodukten.

Zeitlicher und finanzieller Aufwand, i. d. R. Vollzeitstudium; Studiengebühren können an privaten Hochschulen anfallen.

Tiefgehendes, wissenschaftlich fundiertes Know-how für Innovationen in der Medizintechnik; breit angelegte Berufsperspektiven im mittleren bis gehobenen Management oder in der Produktentwicklung.

Spezialisierte Weiterbildungen und Zertifikatslehrgänge

Ausbildungsweg

Beschreibung

Berechtigungen

Aufwand

Wert

Medizinprodukteberater/-in

Tätigkeit gemäß Medizinproduktegesetz (MPDG/MDR). Hier sind Schulungen notwendig, die Kenntnisse über das Produkt, relevante Rechtsgrundlagen sowie über mögliche Risiken vermitteln.

Erlaubnis, medizinische Produkte im Markt zu beraten; gesetzlich verankerte Rolle mit Aufgaben in der Information, Einweisung und Beratung von Anwendern und Kunden.

Schulungen meist mehrere Tage bis Wochen, abhängig vom Produktportfolio.

Unverzichtbar für Hersteller und Vertrieb, da die beratende Funktion gesetzlich vorgeschrieben ist; für Mitarbeitende ein anerkannter Qualifikationsnachweis.

Fachkunde für Medizinprodukteaufbereitung (z. B. Sachkunde nach DGSV)

Schulungen für die fachgerechte Aufbereitung (Reinigung, Desinfektion, Sterilisation) von Medizinprodukten.

Erlaubt den Einsatz als Fachkraft in Zentralsterilisationen oder in anderen Bereichen, in denen Medizinprodukte nach strengen Hygienevorschriften aufbereitet werden.

Umfangreiche Fachkundelehrgänge mit mehreren Modulen, Abschlüsse auf verschiedenen Niveaus (Fachkunde I, II etc.).

Hohe Relevanz für Einrichtungen, da die sachgerechte Aufbereitung gesetzlich vorgeschrieben ist und direkt Einfluss auf die Patientensicherheit hat.

Sicherheitsbeauftragte/r für Medizinprodukte bzw. Beauftragte/r für Medizinproduktesicherheit

Spezifische Weiterbildung nach MPDG. In Unternehmen und Einrichtungen ab einer gewissen Größe sind solche Personen gesetzlich vorgeschrieben.

Überwachung von Sicherheit und Funktionstüchtigkeit von Medizinprodukten, Meldung von Vorkommnissen an Behörden, interne Koordination aller Meldungen bezüglich Medizinproduktesicherheit.

Lehrgänge von wenigen Tagen bis zu einer Woche, ggf. mit ergänzenden Modulen (Regulatory Affairs, Qualitätsmanagement).

Hohe Relevanz für die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen; Unternehmen können Haftungsrisiken reduzieren, Mitarbeitende erwerben eine verantwortungsvolle Schlüsselfunktion.

Zertifizierte Kurse im Qualitätsmanagement (QM) nach ISO 13485

Schulungen zum Aufbau, zur Pflege und Auditierung von Qualitätsmanagementsystemen in der Medizintechnik.

Mitarbeit in oder Leitung von QM-Abteilungen, interne/externe Audit-Fähigkeiten (z. B. als interne/r Auditor/-in).

Mitarbeit in oder Leitung von QM-Abteilungen, interne/externe Audit-Fähigkeiten (z. B. als interne/r Auditor/-in).

Grundlegend für die Konformität mit internationalen Standards (ISO 13485) und damit essentiell für den Marktzugang von Medizinprodukten.

Strahlenschutzkurse (falls relevant, z. B. bei Röntgengeräten)

Fachkunde im Strahlenschutz gemäß Strahlenschutzverordnung für Personen, die mit Röntgen- oder anderen strahlungserzeugenden Geräten umgehen.

Erforderlich, um die Verantwortung für den Betrieb von Röntgenanlagen o. ä. zu übernehmen.

Mehrtägige bis mehrwöchige Kurse, Zertifikatsprüfung möglich.

Sicherheit im Umgang mit strahlenden Geräten; gesetzlich vorgeschriebene Qualifikation, um entsprechende Positionen bekleiden zu dürfen.

Qualifizierungsweg

Dauer

Kosten

Nutzen für Unternehmen

Nutzen für Mitarbeitende

Berufliche Erstausbildung

3–3,5 Jahre (duales System)

Ausbildungsvergütung, Berufsschule teils staatlich

Fachpersonal mit solidem Praxiswissen, an den Betrieb angepasst

Solide Basis, erste Berufserfahrungen, gute Einstiegsmöglichkeiten

Staatlich geprüfter Techniker

2 Jahre Vollzeit (oder 3–4 Jahre Teilzeit)

Schulkosten, ggf. Meister-BAföG-Förderung möglich

Qualifizierte Fach- und (Teil-)Führungskräfte, erweitertes Know-how

Höhere Positionen, Projektverantwortung, besseres Gehaltspotenzial

Bachelor/Master Medizintechnik

6–7 Semester (Bachelor), +3–4 Semester (Master)

Semesterbeiträge, evtl. Studiengebühren

Wissenschaftlich fundierte Fach- und Entwicklungskompetenz

Vertiefte Kenntnisse, gute Karrieremöglichkeiten in F&E, QM, Management

Medizinprodukteberater

Meist wenige Tage bis Wochen (produktbezogen)

Kurse, Schulungen, je nach Anbieter

Erfüllung gesetzlicher Vorgaben, kompetente Kundenberatung

Anerkannter Nachweis der Produkt- und Rechtskenntnisse, gesetzlich definiert

Fachkunde Aufbereitung

Mehrere Module, praxisbegleitend möglich

Lehrgangskosten, Prüfungsgebühr

Sicherstellung der Hygiene, Patientensicherheit, Risikominimierung

Ausbau der Fachkenntnisse, spezialisierter Einsatzbereich

Sicherheitsbeauftragte/r für MP

Mehrere Tage bis 1 Woche + ggf. weitere Fortbildung

Lehrgangs- und Zertifikatskosten

Rechtssichere Umsetzung von MPDG, Reduktion von Haftungsrisiken

Verantwortungsvolle Schlüsselfunktion, Fachwissen mit hoher Nachfrage

Qualitätsmanagement (ISO 13485)

Mehrere Tage bis Wochen (abh. vom Kursumfang)

Schulungs- und Zertifikatskosten

Sicherung der Produktqualität, Erfüllung internationaler Standards

Wertvolle Zusatzqualifikation, breite Einsatzfähigkeit in QM und Audits

Strahlenschutzkurse

Mehrere Tage, regelmäßige Aktualisierung erforderlich

Kurs-, Prüfungs- und Fortbildungskosten

Rechtssichere Anwendung und Betrieb von Röntgen-/Strahlungsgeräten

Gesetzlich vorgeschriebene Fachkunde, spezialisiertes Einsatzfeld

Regulatorische Anforderungen

  • Das Medizinprodukterecht (MPDG/MDR) in Deutschland und auf europäischer Ebene definiert klare Vorgaben, welche Qualifikationen für den Umgang mit Medizinprodukten zwingend erforderlich sind.

  • Insbesondere für verantwortliche Personen (z. B. Sicherheitsbeauftragte, Medizinprodukteberater) sind bestimmte Weiterbildungen gesetzlich vorgeschrieben.

Arbeitsschutz und Patientensicherheit

  • Medizintechnische Geräte unterliegen hohen Sicherheitsanforderungen, um Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende zu schützen.

  • Geeignete Qualifikationen stellen sicher, dass Wartung, Reparatur, Aufbereitung und Anwendung fachgerecht erfolgen.

Fortbildungspflichten

  • Einige Bereiche (z. B. Strahlenschutz) erfordern regelmäßige Auffrischungskurse.

  • Auch bei Veränderungen im Gesetz (z. B. von MPG zu MPDG, MDR) sollten Mitarbeitende geschult werden, um stets auf dem aktuellen Stand zu bleiben.

Fördermöglichkeiten

  • Verschiedene Programme von Bund und Ländern (z. B. Meister-BAföG, Bildungsgutscheine) unterstützen die berufliche Weiterqualifizierung.

  • Unternehmen können interne Förderprogramme oder Freistellungsmodelle nutzen, um Mitarbeitende zu qualifizieren und langfristig zu binden.

Personalentwicklung und Arbeitgeberattraktivität

  • Unternehmen, die in die Qualifikation ihrer Mitarbeitenden investieren, profitieren von einer höheren Motivation und einer stärkeren Bindung.

  • Gleichzeitig steigt die Arbeitgeberattraktivität, da die Weiterentwicklungsmöglichkeiten ein wichtiger Faktor für Bewerbende sind.

Weiterführende Hinweise

  • Aktuelle Informationen zu Gesetzen und Verordnungen (z. B. MPDG, MDR) sind regelmäßig zu prüfen.

  • Kontakt zu Fachverbänden, Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern (IHK) kann hilfreich sein, um passende Weiterbildungsangebote und Fördermöglichkeiten zu finden.

  • Eine langfristige Personalentwicklungsstrategie, die individuelle Karrierewege aufzeigt, schafft sowohl für Unternehmen als auch für Mitarbeitende Planungssicherheit.